Geschichte

Die beiden Bezeichnungen Stock Car Racing und Dirt Track Racing sind nahezu so alt wie die Serienproduktion von Kraftfahrzeugen und gehören seither untrennbar zusammen. Während die Entstehung des Stock Car Sport zweifelsfrei auf den Zeitraum der US-amerikanischen Prohibition zwischen 1920 und 1933 zurückzuführen ist, so gehen die Meinungen bezüglich der Herkunft des Dirt Track Sports weit auseinander.

Dirt Track Racing

Im Zuge der Industrialisierung und damit verbundenen Massenproduktion von Kraftfahrzeugen jeglicher Art (Pkws, Lkws, Motorräder, …) Anfang des 20. Jahrhunderts, wollten sich immer mehr Hersteller und Piloten mit anderen Produzenten und Fahrern messen. Nach den ersten Motorsportveranstaltungen mit Pkws und Motorrädern Ende des 19. Jahrhunderts in Europa, verbreitete sich die neue Sportart in den darauffolgenden Jahren weltweit.

Das erste australische Motorradrennen wurde 1909 ausgetragen. Während dieses Rennen noch auf einer festen Fahrbahn stattfand, kam es 1917 zu ersten Motorradläufen auf losem Untergrund. Einer der damaligen Fahrer, der aus Neuseeland stammende Johnnie Hoskins, war von dieser Art des Rennsports so begeistert, dass er im Jahr 1923 in Eigenregie im australischen Bundesstaat New South Wales ein Motorradrennen unter Flutlicht auf einer ovalformähnlichen Strecke veranstaltete und damit die Geburtsstunde des heutigen Speedway sowie Dirt Track Sports einleitete. Bereits kurze Zeit danach entstanden immer mehr Speedway-Rennstrecken in Australien.

Es sollte nicht lange dauern, bis die neue Sportart auch in Großbritannien und den USA seine Anhänger fand, wodurch im Jahr 1927 in der britischen Kleinstadt Camberley das erste Ovalrennen mit Motorrädern auf europäischen Boden ausgetragen wurde. Für die Leitung und Organisation war niemand geringeres als der angereiste Johnnie Hoskins persönlich verantwortlich.

speedway Motorradrennen auf einem Speedway

© rikdom (CC BY-NC-SA 2.0)

Innerhalb eines Jahres zog die neue Sportart in Großbritannien so viele Menschen in den Bann, dass am 19. Februar 1928 auf dem britischen High Beech Speedway vor ca. 30.000 Zuschauern die größte Dirt Track Sportveranstaltung in dieser Zeit stattfand.

Während in Australien und in Großbritannien die Dirt Track Rennen hauptsächlich mit Motorrädern ausgetragen wurden, kamen in den USA hierfür vorwiegend Automobile zum Einsatz. Im Nord-Osten und Westen der USA wurde die Rennen dabei mit Open-wheel Cars / Formel-Fahrzeugen und im Süden mit Stock Cars / modifizierten Serienfahrzeugen bestritten.

Stock Car Racing

Der Ursprung des Begriffs Stock Car bzw. Stockcar beruht auf der US-amerikanischen Prohibition in den Jahren von 1920 bis 1933. Damals herrschte ein landesweites Verbot zur Herstellung, zum Transport sowie zum Verkauf von alkoholischen Erzeugnissen. Trotz des von staatlicher Seite aus verhängten Verbots war der Alkoholkonsum unter der US-Bevölkerung weit verbreitet und so kam es wie es kommen musste. Die Schwarzbrennerei, das sogenannte Moonshining sowie der Schmuggel des illegal hergestellten Alkohols, bekannt unter den Namen Bootlegging, wurde für viele Menschen in den Klein- und Großstädten sowie auf dem Land zu einer lukrativen und nicht selten überlebenswichtigen Einnahmequelle.

Die zur Herstellung von Alkohol durchzuführenden Arbeitsschritte, wie z.B. der Destillationsvorgang oder das Ansetzen der dafür benötigen Maische, erfolgte in den Städten in Hinterhöfen und Kellergewölben. Auf dem Land wurden hingegen Scheuen, dichte Wälder oder stillgelegte Bergstollen zu Alkohol-Produktionsstätten umfunktioniert. Der meiste Absatz konnte in den vielen Bars und Nachtclubs der Klein- und Großstädten erzielt werden. Während für die städtischen Moonshiner das Schmuggeln aufgrund der geringen Distanz zwischen ihnen als Produzenten und den Bars als Konsumenten oftmals keine größere Herausforderung darstellte, mussten sich die weit entfernten ländlichen Moonshiner etwas einfallen lassen.

ford_model_a Ford Model A aus dem Jahr 1930

© Timothy Wildey (CC BY-NC 2.0)

Für den Transport des in großen Holzfässern oder handlichen Glasflaschen abgefüllten Alkohols wurden einfache Serien-Pkw, wie z.B. das damals in großen Stückzahlen gebaute Ford Model A, zu Alkoholtransportern umgebaut. Umso unbemerkt wie nur möglich den Transport hinter sich zu bringen, erfolgte dieser i.d.R. über geheime Wald- und Feldwege des Landes. Wurden die Schmuggler dennoch von der Polizei entdeckt, kam es nicht selten zu spektakulären Verfolgungsjagden, wobei auf den oftmals engen, unbefestigten Fahrbahnen von den Fahrern und Fahrzeugen alles abverlangt wurde. Immer mehr ländliche Moonshiner setzten daraufhin auf modifizierte bzw. leistungsstärkere Serien-Fahrzeuge, um sich bei einem Zusammentreffen mit den Gesetzeshütern einen technischen Vorsprung zu verschaffen.

War gerade in der Anfangszeit der Prohibition das Moonshining und Bootlegging oftmals noch eine familiäre Angelegenheit, so entwickelten sich im Laufe der Zeit immer mehr professionellere Schmugglerbanden und Verbrecherkartelle mit Mafiastrukturen. Eines der wohl bekanntesten Verbrechernamen dieser Zeit, ist der des gebürtigen US-Amerikaners mit italischen Wurzeln: Alphonse Gabriel Capone, der als Al Capone zusammen mit seiner Bande den Chicago Outfit in Chicago sein Unwesen trieb.

prohibition Bostoner Polizisten mit beschlagnahmten Alkohol-Fässern (ca. 1930)

© Bosten Public Library (CC BY-NC-ND 2.0)

Was nützt einen ein toller Wagen, wenn keiner davon Kenntnis hat? Das müssen sich viele Bootlegger der damaligen Zeit gedacht haben und trafen sich daraufhin gelegentlich an den Wochenenden mit ihren Transportfahrzeugen zu kleinen, privaten Wettrennen auf Wiesen und Feldern. Dies gilt als Ursprung des heutigen Stock Car Sports, wobei viele US-Amerikaner bis heute diese Zeit gleichzeitig auch als Geburtsstunde des Dirt Track Sports ansehen und die historischen Fakten bezüglich der Herkunft aus Australien außer Acht lassen.

Die hauptsächlich in den südlichen Bundesstaaten der USA veranstalteten Rennen der Bootlegger wurden nach und nach immer bekannter und zogen nun auch gesetzestreue Bürger an die Rennpisten. Selbst nach der Aufhebung der Prohibition im Jahre 1933 war das Zuschauerinteresse an den Schmugglerrennen ungebrochen, so dass am 8. März 1936 das erste offizielle Stock Car Rennen mit Serien-Pkw am Strand von Daytona Beach in Florida stattfand. Die Organisation und Leitung des Rennens erfolgten durch den aus Norwegen stammenden, sechsfachen IMCA (International Motor Contest Association) Meister und Rennfahrer Sig Haugdahl sowie des damals noch im Renngeschäft tätigen Automobilclubs AAA (American Automobile Association). Es sollten daraufhin noch weitere 12 Jahre vergehen, bis die teils wilden und unorganisierten Stock Car Rennen im Jahr 1948 endlich einen für Ordnung sorgenden ersten Dachverbanden mit dem Namen: NASCAR (National Association for Stock Car Auto Racing) bekamen.

hudson_hornet NASCAR Cup Wagen aus dem Jahr 1952 (Hudson Hornet)

© D. Miller (CC BY 2.0)

Der Stock Car Sport wandelte sich daraufhin langsam zu einer professionellen Sportart. Neben der NASCAR entstanden weitere Stock Car Dachverbände, wobei sich die verwendeten Fahrzeuge und Reglements der einzelnen Verbände oftmals stark ähnelten. Aus den einst durch die Polizei gejagten armen Farmerjungen und Verbrechern wurden wohlhabende Berufssportler und Werbeträger für millionenschwere Wirtschaftsunternehmen. Die modifizierten Serienfahrzeuge wurden durch hochtechnisierte Rennwagen ersetzt. Das Kräftemessen auf den anfänglich nur wenige hundert Meter langen Hinterhof-Pisten, auf teils nassen Wiesen oder staubigen Äckern, wurde auf vorzeige Sportstätten mit kilometerlangen, asphaltieren Fahrbahnen verlagert. Neben der schleichenden Professionalisierung des Stock Car Sports und dem damit verbundenen Anstieg der Kosten, entwickelte sich in den USA eine Art parallele Stock Car Welt, welche sich bis heute stark an den Wurzeln der frühen Gründungsjahre orientiert, die sogenannte Dirt Track Racing Szene. Zu den beiden wichtigsten Dachverbände zählen aktuell die IMCA (International Motor Contest Association) sowie die USRA (United States Racing Association), die es sich zur Aufgabe gemacht haben den Rennsport durch semiprofessionelle Dirt Track Rennserien in den Stock Car Klassen: Mini Stock / Hornet / Sport Compact, Hobby Stock / Pure Stock / Street Stock und Super Stock auch dem Ottonormalverbraucher auf Hobbysportebene zugänglich zu machen.

ford_fusion NASCAR Cup Wagen aus dem Jahr 2009 (Ford Fusion)

© Robert Batina (CC BY-NC-ND 2.0)

Stock Car Rennveranstaltungen zählen bis zum heutigen Tag neben American Football und Baseball zu den beliebtesten Sportarten in den USA. Hierfür sprechen zum einen die enorm hohe Anzahl an Fahrern, Rennstecken, Dachverbänden sowie die allwöchentlichen Millionen von rennsportbegeisterten Zuschauer an den Stecken oder vor den heimischen TV-Bildschirmen des Landes.